Schmitt-Rousselle
            
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    Abol
  Before I Go
 
  Zum Geleit
Warum Anmerkungen für Songs? Ist es nicht genug, wenn Musik uns in irgendeiner Weise berührt? Es ist genug. Musik bringt emotionale und unbewusste Seiten in uns zum Klingen; unser Verstand wird dazu nicht gebraucht. Reines Hören erreicht uns auf einer wesentlich tieferen Ebene, als Worte es je vermögen.
Songs kommen – sie sind nicht komponiert. Ich setzte mich hin und spiele, eine Melodie entsteht, Worte entstehen unisono. In einem zweiten Durchgang wird Harmonik und Text vervollständigt. Erst danach versuche ich, den Song zu "verstehen". Der Kern jedes Songs ist ein Bild, ein Gefühl, geboren aus Spontaneität; eine Resonanz "meines" Seins. Das Gleiche gilt für dieses Album. Für mich erzählen die Sequenzen eine Geschichte.
Wenn dem Hörer die Songs gefallen, freue ich mich; wenn er seine eigene Geschichte dazu webt, übertrifft es meine Erwartung. Wen aber diese Songs nicht erreichen – dem helfen auch keine Erklärungen.
Nun, nachdem ich wiederholt um die  eine oder anderen Erklärung gebeten wurde, versuche ich ansatzweise mein Verständnis zu diesem Album zu geben – wohl wissend, dass kein System die wahre Natur des Seins erfassen kann (No mind will ever shape - Bridge song).

  the seeker   Before I Go behandelt die ersten 10 Schritte menschlicher Entfaltung auf dem Weg zum Verständnis der Wirklichkeit. Die Ausprägung dieser ersten Schritte ist naturgegeben individuell.
Dieser "Sucher”, hat 10 Aufgaben bzw. Rätsel zu lösen. Diese werden hier mit den ersten 10 Bildern des Tarots versehen.
 
 
Am Seitenende werden noch 4 Songtexte gegeben. (Das Booklet der CD enthält alle Texte plus einiges mehr.):
3. THE GREAT SEAL   5. ASYA VAMASY    9. BRIDGE SONG   10. NOTHING TO LOSE  
 
 
 
 
1 Der Magier   Edges of time
 
 
    All das, was ist, ward und wird geboren aus der 0, dem Urgrund, jenseits von Sein und Nichtsein. Dieser kennt nicht einmal sich selbst. Aus der 0 entstehen die 1 und das All, aus Klang und Form geschaffen. Jedes menschliche Wesen besitzt ein tiefes Gefühl für seinen Ursprung. Wie Parzival kämpft es sein ganzes Leben darum, diesen ursprünglichen Raum wieder zu erlangen, meist unbewusst auf einer oberflächlichen Art und Weise.
Die 1 repräsentiert den Ausgangspunkt der menschlichen Entwicklung. Ohne eine ausgeprägte Persönlichkeit kann die Persönlichkeit nicht aufgegeben werden. Sie trennt uns von der Realisierung der Bewusstheit. Adam und Eva mussten einen Apfel essen, um ein Selbstbild zu erlangen. Der Aufbau der Persönlichkeit, und im weit größeren Maße ihre Aufgabe, ist mit schmerzhaften Erfahrungen verbunden. Diese sind unausweichlich, das Sein drängt uns zur Erlangung des letztendlichen Zieles.
 
 
 
      Das Szenario:   Der Sucher startet, mit den vier Elementen ausgestattet, seine Welt zu schaffen. In seiner Rechten hält er den Stab, bereit seinen Weg durch jedes Hindernis zu brennen.
Der Zustand 1 hat eine Perfektion in sich selbst. Er gibt unbegrenzte Freiheit, es gibt nichts, was der Magier nicht tun könnte. Allein, das Selbst wird nicht gesehen; all das, was ist, ist innerhalb der eigenen Persönlichkeit.
 
 
 
      Die Aufgabe:   Finde die Frage "Wer bin ich?"
Ist diese Frage gefunden, begegnet der Sucher der Priesterin.
(Diese essentielle Frage kann erst nach Freigabe durch den Turm (16) gelöst werden.)

 
 
 
2 Die Priesterin   Silver moon
 
 
    Durch die Bewegung von der 1 zur 2 werden Gegensätze geschaffen. Erkennen alle in der Welt das Schöne als schön, so ist damit auch das Hässliche gesetzt. Erkennen alle in der Welt das Gute als gut, so ist damit auch das Schlechte gesetzt. Alternative Standpunkte entstehen: So oder so.
 
 
 
      Das Szenario:   Der Sucher begegnet der Priesterin, gekrönt von einem silbernen Mond. Sie sitzt zwischen zwei Säulen und richtet alles, was sie für falsch hält. Dieser Zustand wird nur durch Niederlagen überwunden.
 
 
 
      Die Aufgabe:   Finde einen Weg jenseits der Dualität. (Weder dies noch das.)
Überwindet der Sucher die Dualität, trifft er auf die Herrscherin:

 
 
 
3 Die Herrscherin   The great seal
 
 
    Aus These und Antithese entsteht die Synthese. Von der Warte der 3 aus werden Polaritäten erkannt als das, was sie sind: Zwei Seiten einer Münze.
Das große Siegel repräsentiert die letztendliche Realität. Die Herrscherin herrscht nicht. Sie handelt, ohne zu handeln.
 
 
 
      Das Szenario:   Der Sucher trifft auf die Herrscherin. Sie sitzt auf einem natürlichen Thron, nicht von Menschenhand gemacht. Sie hält das Licht des Verstehens, für einen Schild hat sie keine Verwendung.
 
 
 
      Die Aufgabe:   Nach dem Empfang der Unterweisung muss der Sucher seinen Weg konkretisieren. Aus dem Reich dieser mächtigen Weisheit führt sein Weg zu einem Platz, den er selbst zu schaffen hat. Nur das, was selbst getan und erlebt wurde, ist wirklich verstanden.

 
 
 
4 Der Herrscher   Last wish
 
 
    Mit der 4 begegnet dem Sucher die physikalische Realität des menschlichen Seins. Der Widerspruch zwischen Idee und Ausführung wird konkret spürbar. Diese Konfrontation produziert ein Licht, das uns meist sehr weh tut, indem es jene Seiten in uns beleuchtet, die wir nicht sehen wollen.
 
 
 
      Das Szenario:   Im Laufe des Aufbaus seines eigenen Reiches stößt der Sucher letztendlich auf den Herrscher. Dieser hat den Thron inne und kann nicht besiegt werden. Der Herrscher repräsentiert das Raum-Zeit-Gefüge.
 
 
 
      Die Aufgabe:   Last Wish zeigt die Niederlage jeglichen Konzeptes – sei es auch noch so gut gemeint.
So begibt sich der Sucher zu den Wurzeln.

 
 
 
5 Der Hierophant   Asya vamasya
 
 
    An der Wiege der Menschheit entsteht ein neues Verständnis. Idee und Form (Geist und Materie) werden unterscheidbar und in Gleichzeitigkeit wahrgenommen.
 
 
 
      Das Szenario:   Der Sucher befindet sich bei den Altvorderen; Pyramiden werden gebaut, der Veda wird gesungen. Die Verbindung zum Geist etabliert sich.
 
 
 
      Die Aufgabe:  

In der Welt, aber nicht von der Welt sein.

Mit der 5 entsteht der Dreiklang. Die Welt, in der wir leben, erscheint völlig verständlich und manipulierbar. Die Lehre des Pythagoras erklärt die Abhängigkeit zwischen all dessen, was entsteht. Jedwede Beziehung zwischen zwei oder mehreren Elementen kann erfahren (Auge, Ohr) und damit gemessen werden (Verstand).

Die Reise endet noch lange nicht. Früher oder später wünscht unser Sucher, auch von den süßen Früchten zu kosten:

 
 
 
6 Die Liebenden   Attachment
 
 
    Und wieder wandelt sich die Welt auf das Wunderbarste. Der Andere, die Ergänzung und Vervollständigung der eigenen Persönlichkeit, hat unser Leben und unser Sein in der Welt verändert. Eine eigene Einheit wird geschaffen. Diese Einheit, durch Liebe erschaffen, kommt der Realisation gleich. Die Persönlichkeiten der Liebenden, Zeit und Raum hören auf zu existieren.
 
 
 
      Das Szenario:   Zwei Liebende werden von einem Engel begleitet, der diese Verbindung segnet. Zum ersten Mal findet der Sucher wahre Erfüllung: Das Denken ruht, das Herz regiert.
 
 
 
      Die Aufgabe:   Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter Euch (Matthäus 20,18).
An einem kalten Morgen ist die Magie plötzlich verschwunden. Der Sucher begibt sich wieder auf den Weg.

 
 
 
7 Der Wagenlenker   Keep on moving
 
 
    Eine mächtige, bewegende Kraft treibt unseren Sucher auf zu neuen Ufern. In ihr liegt alles, was er bisher erlebt und erhofft hat.
 
 
 
      Das Szenario:   Gezogen von zwei Pferden (schwarz und weiß) bricht der Sucher auf. Er verlässt all das Bekannte und fährt dem Unbekannten entgegen. Seine ursprüngliche Aufgabe ("Wer bin ich?") treibt ihn voran. Aus dem Paradies vertrieben, widmet er sich mit wildem Drang dem Rätsel, das kein Anderer für ihn lösen kann.
 
 
 
      Die Aufgabe:  

Der Weg ins Unbekannte.
 
Der Sucher fährt auf unterschiedlichen Straßen und erlebt viele Abenteuer. Was hat er dadurch gewonnen?

 

 
 
8 Das Urteil   Emptiness
 
 
    Durch seine Abenteuer, mit seinem Handeln und Wirken in der Welt, baut der Sucher seine Welt auf. Form wird manifest, und damit wird Ursache und Wirkung sichtbar. Es wird Zeit, Handeln und Auswirkungen zu untersuchen.
 
 
 
      Das Szenario:   Der Sucher begegnet der Herrscherin (aus Level 2 und 3). Diese hält nun das Schwert des Urteils in der Hand. Der Sucher prüft die Früchte seiner Reisen und findet Leerheit.
 
 
 
      Die Aufgabe:  

Finde die Essenz in den Objekten.

Der Sucher findet die Antwort nicht in den äußeren Objekten. Er wendet sich deshalb sich selbst zu.

 

 
 
9 Der Eremit   Bridge song
 
 
    Und wiederum tritt eine neue Qualität hervor. Bisher erfolgten Suche und Konfrontationen meist in der Außenwelt. Nun ändert sich der Blickpunkt. Die innere Welt wird zum Objekt der Suche
 
 
 
      Das Szenario:   Der Sucher hat ein Licht entzündet und beleuchtet damit sein Inneres. Er führt sich selbst. Der Bridge Song beschreibt Teile des inneren Organismus, wie er durch das innere Licht sichtbar wird.
 
 
 
      Die Aufgabe:  

Sei Dein eigenes Licht.
Die 9 wurde wieder zur 1 und muss früher oder später wieder zur 0 werden. Ist die Einheit des Wesens gewonnen, steht ihre Auflösung an.

 

 
 
10 Das Rad   Nothing to lose
 
 
   

Der erste Kreislauf ist komplett. Durch diesen Kreis bewegen wir uns immer wieder, bis wir genügend Erfahrung gewonnen haben. You can’t step twice in the same river (Heraklit); nothing ever changes.
 

 
 
      Das Szenario:   Der Sucher begegnet dem sich ewig drehenden Rad, das ihn von Leben zu Leben bewegt. In Wirklichkeit vollzieht sich dieser Fluss nur auf der persönlichen Ebene. Die Erfahrungen, die der Sucher immer wieder aufs Neue macht, bringen ihn –  früher oder später –  über die 10 hinaus.
 
 
 
      Die Aufgabe:   Erinnere Dich der Aufgabe.

 
 
 
     
  Texte   Kleine Textauswahl
 
    3. THE GREAT SEAL
  Das große Siegel (Sanskrit: mahāmudrā, Tibetisch: rdsogs chen)
 
 

Since I remember living this life
There was a nagging urge to realize
To unveil the eyes for a hidden reality
To let my being feel what it could feel
              The missing was caused by the wish to gain
              The gain is to loose all that is known
Do not think, do not meditate
Do not dream, keep the natural state

Nothing to negate, nothing to affirm
Why shall one seek what can not be sought
If there’s no salvation bestowed from above
No manifestation for the I to touch
              Here and now           eternity
              Here and thereafter   identity
Do not think, do not meditate,
Do not dream, keep the natural state

To drink from this fountain is more than enough
No cause no effect, the self remains untouched
Death is for the deluded, thingness for the blind
There’s nothing wrong, nothing to find
              In awe the oneness   mystery
              Nearer than near       paradoxy
Do not think, do not meditate
Do not dream, keep the natural state



    5. ASYA VAMASYA
  Diese Verse gehören zu meinen Lieblingsrätseln des Ŗg-Veda (1.164). Ich habe sie so wörtlich wie möglich übersetzt, in der Hoffnung, die darin enthaltene Magie zu bewahren. Der Refrain verweist auf den ewig ruhenden puruşa (Geist, Bewusstheit) und seine Beziehung zur handelnden prakŗti (Urmaterie). Letztlich gibt es auch hier keine Trennung; dieses Wissen ist jedoch jenseits der Sphäre des Hierophanten.
 
 

Dear pale brother, you are the spirit caller
Your middle brother sends it to earth
Your youngest brother produces the growth
There, with seven sons I saw the father.

              Two birds in perfect harmony
              Together embracing the world tree
              One tastes from the fruits so sweet
              Not attached the other sees

Seven yoke the car one-wheeled
A horse with seven names
Draws the ageless with tree naves
There upon all living is sealed
             
              Two birds in perfect harmony
              Together embracing the world tree
              One tastes from the fruits so sweet
              Not attached the other sees

The whitish sounds measuring the waves
On one, on two, on four feet
On eight, on nine beats
The thousand rays sound through the universe



    9. BRIDGE SONG
  Eine Beschreibung der inneren Welt (Kreislauf des Lichtes).
 
 

Sitting under the bridge of somewhere
Smelling the taste of a home
The river springs up my fantasy
Sparkling in the sun.

Dreaming dreams of present time
Watching a herd of cows
A child reaching out for the seven stars
Caught in the eternal now.

              Myriads of manifestations
              Blossom and fade
              The reality of this moment
              No mind will ever shape.

Below the bridge of somewhere
The ploughman cultivates the land
There upon a maid is weaving
Stories for our hand.
             
Two figures create the motion
By treading a water-wheel
Above the bridge, over the mountain
A red sun shows what’s real.
 

    10. NOTHING TO LOSE
 Ein ewiger Begleiter
 
 

I’ve been running ‘round in this world for long
So many years not knowing what’s going on
I’ve been to the mountains and deep in the sea
Cities and valleys lying at my feet.

              And there is nothing to lose nothing to win
              Nothing to lose nothing to win.

If I’m in India or back in Spain
Every place looks like the same
Everywhere are people searching in their mind
I hope one day they’ll reach and find.

              There is nothing to lose nothing to win
              Nothing to lose nothing to win.

On a cloudy morning I walked at a beach
Rain was falling but within reach
Two girls where laughing leaving footprints on the ground
I followed ‘till I found.

              There is nothing to lose nothing to win
              Nothing to lose nothing to win.

I grow older much older than once
Time is getting faster I see how it runs
But as long as I’m running I will not find
And when I stay sometimes I’m so blind.

              ‘cause there is  nothing to lose nothing to win
              Nothing to lose nothing to win.



 
 
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